Landwehren und Schanzanlagen

Im Mittelalter waren nicht nur Kaiser, Könige und die einzelnen Landesfürsten an der Sicherung ihrer Ländereien interssiert. Auch die Bürger der Städte hatten ein berech-
tigtes Interesse daran, das nicht jeder in die Gemarkung eindringen und Schaden an-
richten konnte. Die Stadtmauer war nur der direkte Schutz für die Stadt. Es gehörten aber rings herum auch noch die außerhalb liegenden bäuerlichen Gehöfte, Weiden und Felder mit dazu.
Eine Möglichkeit, das Teritorium zu schützen, war die "Landwehr" entlang der Gemarkungsgrenze. Dieses, meist mehrere Kilometer lange, Bauwerk war ein Graben. Der Aushub wurde rechts und links als Wall aufgeschüttet. Anschließend wurden die Wälle mit Dornenhecke bepflanzt. Nur noch die Zufahrtswege zu kontrollieren war dann nicht mehr so aufwendig.
Eine solche "Landwehr" wird heute "Langensteiner Weg" genannt. Er kreuzt die Landstraße von Westerhausen zur B79. Im Laufe der Jahre, nach dem die "Land-
wehr" ihren zweck verlorn hatte ist der Graben verfüllt und zu einem Wirtschafts-
weg geworden.
Heute ist diese "Landwehr" nur noch daran zu erkennen, dass der Weg in Höhe der einstigen Walloberkante und über den umliegenden Feldern verläuft. Es wird vermutet, dass diese "Landwehr" einst zur Gemarkung Halberstadt gehört hat.
Bekannt und meist weithin sichtbar ist das Wehrsystem der Stadt Quedlinburg.
Es ist gekennzeichnet durch die Warttürme an der weitläufigen Gemarkungsgrenze. Es sollen mindestens 11 gewesen sein. Heute sind noch 6 ganz oder teilweise erhalten und zum Teil auch wieder begehbar.
Einer dieser Warttürme ist der "Lethurm" an der Landstraße von Gernrode nach Quedlinburg, gleich Ausgangs Gernrode auf der linken Seite.
Auch zur Gemarkungsgrenze von Qudlinburg gehöten "Landwehren", oder auch "Landgräben" genannt. Der "Landgraben" hier am "Lethurm" ist als solches noch auf DDR-Landkarten verzeichnet gewesen. Die gesamte Gemarkungsgrenze von Quedlinburg war von solchen "Landgräben" umzogen - etwa 42 Kilometer!
Wesentlich jüngeren Datums sind die im Folgenden erwähnten "Schanzanlagen". Schanzanlagen sind militärische, künstlich angelegte Bauwerke. Sie bestehen aus Graben- und Wallsystemen zum Schutz der Soldaten.
Die Soldaten verteidigen ein Objekt, einen Front(Grenz-)abschnitt oder sie starten aus diesem System heraus einen Angriff.
Nach territorialen Konflikten, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, zwischen Kur-
brandenburg und Anhalt auf der einen und dem Herzogtum Braunschweig auf der anderen Seite, kam es zu einer veränderten Grenziehung. Braunschweig hatte im Harz wichtige Bergbaureviere und nachfolgen Verarbeitungshütten zu schützen. Die heute noch erkennbare Verteidigungslinie an der ehemaligen Grenze zu Kurbrandenburg/Anhalt erstreckt sich von Allrode bis an die Selke, kurz vor Stiege.
Um Allrode herum gab es einst vier Schanzanlagen, die alle mit Laufgräben verbunden waren. Zwei Anlagen sind noch teilweise erhalten.
Von Treseburg herauf kommend befindet sich die eine Schanzanlage mit Laufgraben (Bild rechts)rechts oben am Steilhang zur Luppbode. Dem Laufgraben folgend kommt dann die schon sehr eingeebnete viereckige Schanze.
Neben dem Schützenplatz steht die Wallanlage der zweiten Schanze.
Diese Schanze ist begehbar, aber die Wälle total bewachsen. Der Laufgraben ist nicht mehr sichtbar.
Die "Hohe Straße" war früher eine sehr wichtiger Verkehrsweg längs über den Harz. Hier, wo die Straße in´s Braunschweigishce eintritt, wurde die nächste Schanzanlage errichtet.
Das Bild zeigt den Kanonenplatz mit Unter-
stand/Munitionsdepot, einem "Spanischen Reiter" und in der Ecke die Nachbildung einer Kanone.
Ein Blick in den Laufgraben in dessen Verlauf noch eine Bastion hervor steht um mit zusätzlichem Flankenfeuer das Vorfeld zu bestreichen.
Diese Schanzanlage ist mit viel Mühe und Sorfalt wieder begehbar gemacht worden. Es wurde auch viel Geld in Informationstafeln investiert. Leider ist aber diese Anlage in ihrer Geschichte nicht so alt wie dort beschrieben.
Ausfühliche Informationen zu den Warten- und Landgräben von Quedlinburg gibt es vom "Wartenverein Quedlinburg" .
Zum "Landgraben", dem heutigen "Langensteiner Weg" und zu den braunschweigischen Schanzanlagen gibt es ein sehr interessantes Heft. Darin geht es auch um Burgen im heutigen Stadtgebiet von Thale.
Heinz A. Behrens - "Burgen und Befestigungsanlagen im Stadtgebiet von Thale". Dieses Heft ist im
"Kloster Wendhusen" in Thale erhältlich.
Ein gänzlich andere Schanzanlage, vom Alter, Aufbau und ihrer Verwendung her gesehen, befinet sich in den "Spiegelbergen" bei Halberstadt.

Die Meding - Schanze

Dieses Denkmal ist sicher vielen Einheimischen bekannt. Ach wenn es bis vor kurzer Zeit noch im Buschwerk etwas versteckt stand, ein breiter Wanderweg führte daran vorüber. Rillenartige Vertiefungen in dessen Umgebung kannten eventuell Pilzsammler. In der Nähe gab es früher auch noch Ausflugsgaststätten, "Lindenberg" und "Grüner Jäger".
Halberstadt ist eine alte Garnisionsstadt. Seit 1623 gibt es hier eine Garnision, die damals als eine der bedeutendsten in Mitteldeutschland galt.
Der "I. Weltkrieg" tobt. In Halberstadt ist das "Reserve-Infanterie- Regiment 226" stationiert. Hauptmann "Werner von Meding" (1871-1924) kam direkt von der Westfront und wurde dessen Kommandeur. Im Jahr 1916 ließ von Meding in den Spiegelsbergen, nahe der Ausflugsgaststätte "Grüner Jäger", die Schanzanlage errichten. Es wurde ein System von Gräben, Unterständen und Verbandsplatz, so wie es im Krieg verwendet wurde. Die Reserveinfanteristen lernten also den Stellungsbau, der an der Front wichtig war. Die eigentliche Aufgabe dieser Anlage war aber nicht die weitere Ausbildung der Soldaten.
Diese Schanzanlage konnte von der Bevölkerung gegen ein Eintrittsgeld besichtigt werden. Das Geld wurde zur Unterstützung von Kriegswitwen und Kriegsveteranen verwendet. Seinerzeit war die Anlage und das weitläufige Umfeld vom Hügel des Denkmals aus auch gut zu überblicken. Das Denkmal wurde ebenfalls 1916 für alle Gefallenen der Garnision Halbeerstadt errichtet.
Der Verein "Halberstädter Berge e.V." begann mit Helfern die Gräben vom Bewuchs frei zu schneiden und zu vermessen. Es fand auch schon eine erste Führung statt. Dabei wurden die Besucher von "Offizieren des I. Weltkriegs" begleitet die auch weiterführende Informationen zum Krieg geben konnten. Die "Offiziere" kamen vom "Garnisionsverein Quedlinburg" . Der Verein "Halberstädter Berge e. V." möchte, dass das vorhandene Grabensystem wieder sichtbar wird. Aus sicherheitstechnischen Gründen soll aber die Originaltiefe nicht wieder freigelegt werden.
Es könnte wieder ein Ort des Gedenkens an die Gefallen und heute auch an die zivilen Opfer werden. Unter sachkundiger Führung könnten, besonders junge Besucher, einen Einblick erhalten, was Stellungskrieg oder Krieg generell bedeutet. Es fehlt in der "Meding-Schanze" eigentlich nur eine entsprechende Beschallung bei der Führung.
Die "Meding-Schanze" liegt etwas abseits im Wald. Am "Jagdschloss Spiegelsberge" dem Zaun des Tierparks folgen und links die Straße hinunter. Ein Stück unterhalb der ehemaligen Ausflugsgastätte "Lindenberg" biegt die Straße rechts ab. An der Ecke steht auch die Hinweistafel vom "Grünen Jäger". Von hier sind es noch wenige Schritte zum Denkmal.

Prähistorische Sicherungsanlagen in den Wäldern und im Bodetal bei Thale

Thale ist nicht nur bekannt für sein schönes Bodetal, sondern auch für seine Sagen und mystischen Orte. Wie zum Beispiel der Hexentanzplatz und die Roßtrappe. Als die Bewohner dieser Gegend in den Wäldern und auf Felsklippen Dinge fanden, für die sie keine Erklärung hatten haben sie eben Namen und auch Geschichten dazu erfunden. Wenn also eine Vertiefung im Stein wie ein Hufabdruck aussieht, dann ist also ein Pferd über das Bodetal gesprungen. Eine zerfallene Steinmauer mit unbekanntem Zweck kann nur der Teufel erschaffen haben und so weiter.
Einen Überblick, um welches sagenhafte Gebiet es sich handelt, zeigt das folgende Bild.

Blick von der "Prinzensicht" auf dem "Langen Hals"
1- Die "Winzenburg". Die ältesten Bodenfunde stammen aus der Ur- und Frühgeschichte. Dieses Plateau ist schon damals als Fluchtburg genutz und entsprechend mit Gräben und Wällen gesichert worden. Die in nachfolgender Zeit ausgebaut wurden. Zudem ist der exponierte Felssporn, die "Roßtrappe" (2), noch durch einen, in den Fels geschlagenen Graben gesichert. Die "Roßtrappe" ist ein, später nochmal erweitertes Opferbecken. Das Areal dort draußen war gewiß nur den damaligen Priestern zugänglich. Es nimmt zu den noch zu erklärenden anderen Kultorten eine Mittelpunktstellung ein.
Auf Grund von Sturm-
schäden ist auf der "Winzenburg" der Hauptwall (rote Punkte) und der Vorburgwall (gelbe Punkte) sehr gut zu erkennen.
Der Plan zeigt neben den genannten Wällen (rot gelb) eine Übersicht der weitläufigen Anlage. Rechts geht es dann weiter zur "Roßtrappe".
3- Im Vorfeld der Bergstation der Seilbahn zum "Hexentanzplatz" befindet sich auch heute noch ein großer, freier Platz. In einer alten Beschreibung eines Försters heißt er "Lindenplan" und es sollen damals auch noch große, kreisförmig aufgestellte Steine zu sehen gewesen sein, umstellt von Linden (linkes Bild). Das ist also der Platz, der in der Sage zum "Hexentanzplatz" wurde.
Einige Schritte weiter, in Richtung Bergtheater, quert vom Bodetal bis zum Steinbachtal ein Steinwall das Gelände. Zu des Försters Zeiten gab es für den Sinn, Zweck und die Entstehung keine plausible Erklärung. Es wurde erstmal eine "Teufelsmauer". Später, als man auch Bodenfunde machte wurde daraus der "Sachsenwall". Heute ist aus dem "Steinwall" eine zerfallene Trockenmauer mit ehemals einer Holzstützkonstruktion geworden. Die Holzkonstruktion ist natürlich nicht mehr da, aber Reste des Mauerwerks sind noch sichtbar (rechtes Bild). Vor dem "sachsenwall" rechts steht ein Gedenkstein der den Fundort des Opferbeckens ( in der Walpurgishalle zu sehen) markiert.
Der große Bergsporn war normal nur über das Steinbachtal zu erreichen. Diese große Steinmauer war die erste Sicherung für die Kultstätte weiter draußen auf der "Homburg", wo der Aussichtturm steht (4).
Am Bergtheater vorbei geht es in eine Senke und dann hinauf, durch die Mauer- und Grabenanlage, zur Kultstätte die heute "Homburg" heißt. Wenn man sich aufwendige Sicherung mit mehreren Mauern und Gräben ansieht, dann kann es sich nur um eine sehr bedeutende Kultstätte handeln. Der Bergsporn war nicht bewaldet, weil man ja eventuelle Angreifer auf freiem Feld bekämpfen wollte. Außerdem war eine weite Sicht in das Vorland bzw. aus dem Vorland zum Kultberg gegeben.
In direkter Sichtachse "Lindenplan"/"Hexentanz-
platz" über die "Roßtrappe" geht der Blick auf die "Prinzensicht" auf dem "Langen Hals". Diese Stätte gehört ebenfalls zu dem ganzen System. Obwohl dieser Platz recht klein ist, so wurde er auch mit Mauern und Gräben gesichert.

Mauerreste vor der "Prinzensicht"
Die beschriebenen Kultstätten auf den Bergen rechts und links des Bodetal sind über 2000 Jahre alt. Den Wanderweg zwischen Thale und Treseburg gab es damals noch nicht. Dennoch finden sich im Bodetal Reste dreier Sicherungsmauern. Diese sind auf dem Bild des "Sachsen-Anhalt- Viewer" deutlich erkennbar.

Wall 1

Wall 2

Wall 3
Der erste "Wall" befindet sich am Eingang der Seilbahntalstation. Er zieht sich vom Berghang leider nur noch bis zum Trafohäuschen. Durch den Bau des Wanderwegs und auch der Trafostation sind die sehr verkürzt worden. Die heutigen "Wälle" waren, wie oben auf dem Berg, einstmals Mauern in der selben Bauweise und reichten bis zu Bode. Was aber sollten sie schützen?
Die Kultstätten rechts und links über dem Bodetal waren durch einen "Prozessionsweg" verbunden. An beiden Hängen befanden sich einst Treppen in Trockenmauerausführung. Diese drei Mauern dienten also dem Schutz dieses wichtigen Wegs von einer Kulstätte zur anderen.
Das ist hier nur eine sehr vereinfachte Beschreibung über die geschichtsträchtige Landschaft des Bodetals bei Thale. Ein detaillierter und mit interessanten Bildern versehener Aufsatz dazu steht ebenfalls im Heft "Burgen und Befestigungsanlagen im Stadtgebiet von Thale"( Heint A. Behrens).