Der "Brockengarten"

Von den ganzen Mittelgebirgen in Deutschland hat als einziges der Harz mit seiner höchsten Erhebeung, dem "Brocken", eine natürliche Baumgrenze. Der "Brocken" steht als "Bollwerk" den von West, Nordwest und Südwest wehenden Winden bzw. Stürmen im Weg. Ihre Intensität und ihre dauernde Einwirkung verhindern die Entstehung einer ge-
schlossenen Bewaldung auf der "Brockenkuppe".
Die, auf der dem Wind zu gewandten Seite der "Brockenkuppe", noch vorhandenen Be-
stände der Zwergstrauchheide werden als Rest des einstigen großflächigen Vorkommens angesehen. Hier oben gedeiht auch das "Alpen-" und das "Schwärzliche Habichtskraut". Beides finden Sie auch in den Alpen. Allerdings müssen Sie dort Höhen zwischen 1400-2400 m aufsuchen. Das bedeutet, dass die klimatischen Bedingungen auf der "Brocken-
kuppe" diesen Höhenlagen in den Alpen entspricht!
Dazu einige konkrete Zahlen: Jahresmitteltemperatur 2,9 Grad Celsius, absolut frostfrei sind nur der Juli und August, die Schneedecke hat hier oben schon bis zu 3,8 m betragen und die Decke war schon bis zu 176 Tage geschlossen. Auch die durchschnittlichen Niederschlagsmengen sind mit 1814 Litern auf den Quadratmeter und einer Luftfeuch-
tigkeit von rund 88% nicht zu unterschätzen. Der Brocken zählt zu den windreichsten Gegenden Europas. Es wurde 1984 die bisher höchste Geschwindigkeit mit 263 km/h gemessen.
Auf der anderen, geschützteren Seite, in der der Schnee spät weg taut, gedeihen zum Beispiel auch "Alpen-Milchlattich" und auch "Alpen-Frauenfarn".
Die klimatischen Bedingungen auf dem "Brocken" sind schon lange bekannt. So hat sich am 8. Juni 1890 der Direktor des Botanischen Gartens der Uni Göttingen, Prof. Dr. Albert Peter, entschlossen, hier oben einen "Versuchsgarten" anzulegen. Das Für-
stenhaus "Stolberg-Wernigerode" stellte dazu die Fläche von 4600 m² zu verfügung. Der nebenste-
hende Baum von etwa 3,5 m Höhe (Berg-Hemlock-
tanne) stammt aus der Gründungszeit des Gartens. Es war der erste Alpenpflanzengarten in Deutsch-
land und weltweit auch der erste mit einer wissen-
schaftlichen Aufgabenstellung.
Aber die Freude über das Wachsen und Gedeihen im Garten währte nicht lange. So mußten im Zusammenhang der beiden Weltkriege die Arbeiten von 1914 bis 1934 und 1945 bis 1950 eingestellt werden. 1951 wurde auf Weisung des damaligen Ministerprä-
sidenten von Sachsen-Anhalt der "Brockengarten" der Martin-Luther-Universität Halle übergeben. Er war ein Ort für die allgemeine Volksbildung und auch der akademischen Lehre.
Das änderte sich schlagartig mit dem Jahr 1961, als der Brocken zum militärischen Sperrgebiet wurde.
Pflegearbeiten konnten nur noch selten durchgeführt werden und eine Erweiterung der Pflanzensammlung war überhaupt nicht mehr möglich. 1971 war dann total Schluß! Der "Brockengarten" verwilderte. Von den einst 1400 verschiedenen Pflanzen überlebten nur 90.

Am Anfang des Gartens-
eine Sammlung heimischer Pflanzen
1990 war der Brocken schon wieder für alle zugäng-
lich. Es war auch das Jahr des 100. Geburtstags des "Brockengarten". Botaniker und Forstfachleute aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen machten sich Gedanken wie es nun mit dem Garten weiter gehen sollte. Eigentlich mußte der Garten neu angelegt werden. Es wurde ein, in die Landschaft passender Zaun gebaut und etwa 50 Tonnen Kalkschotter, der von den militärischen Nutzern des Brockens ange-
fahren wurde, entsorgt. Dieser Kalkschotter ist nicht ortstypisch und hat den heimischen und ausländi-
schen Pflanzen sehr geschadet.

Moorlandschaft

Pflanzen im Gesteinsschutt
Der "Brockengarten" wird heute wieder im Sinne des Gründers Prof. Dr. A. Peter weiter geführt. Er dient wieder der Forschung. und auch der Öffentlichkeit zur Bildung und Er-
ziehung zum ökologischen Umgang mit der Natur. Dazu dient der Schauteil des Gartens in dem auch die Führungen statt finden.

Felsennelke

Fingerkraut
Der Besucherteil des "Brockengarten" ist geografisch gegliedert.Also Hochgebirgs-
pflanzen aus dem Kaukasus, Asien, Alpen, Südeuropa, dem Balkan und Amerika.

Die Wetterwarte

Alpenmohn
Der "Brockengarten" kann von Mai bis Oktober besichtigt werden. Treffpunkt ist am Eingang bei der Wetterwarte, links hinter dem Bahnhof. Der Brockengärtner führt Sie Montag bis Freitag um 11.30 Uhr und 14.00 Uhr durch den Garten. An den Wochenenden findet die Besichtigung im Anschluß an die Brocken-Rundwanderwegsführung mit dem Ranger statt.
Den "Brockengarten" sollten Sie auf jedenfall besuchen. Und im Nationalparkhaus, in dem auch die Ausstelung über den Harz und seinem Nationalpark zu finden ist, gibt es eine Broschüre mit detaillierten Informationen zu den Pflanzen im Brockengarten:
"Brockengarten im Harz - Ein Versuchs- und Schaugarten". ISBN 978-3-928728-40-7
Erschienen ist sie im Verlag Schadach