Der "Brühl" und der "Abteigarten"
in Quedlinburg

Der "Brühl" ist ein Waldstück südlich des Schloss von Quedlinburg, und liegt am linken Ufer des Harzflüsschens "Bode". Wie groß der Wald einmal war ist nicht bekannt, aber er wurde schon 1179 erwähnt.
Der Blick von der Schlossterrasse geht über die Häuser unterhalb des Schlossbergs, über den "Abteigarten" zum "Brühl". Im Hintergrund ist schon der Harz zu sehen.
Im "Barock" legte man schon einmal Hand an den Wald und aus dieser Zeit stammt noch der "Wegestern". Als die geometrischen Parks aber nicht mehr "in" waren, am Ende des 18. Jahrhunderts, veranlasste die schwedische Prinzessin "Sophie Albertine" (damals Äbtissin des Stifts) die Erweiterung in Richtung Süden und Osten. Diese Erweiterung bekam nun die Form eines Landschaftsparks mit geschwungenen Wegen, Anpflanzungen von blühenden Gehölzen und hübschen Sitzplätzen.

im "Stern"

"Pavillon an der Sängersicht"
im Jahr 1817, das Stift war aufgelöst, bekam die Stadt Quedlinburg den "Brühl". Unter tatkräftiger Beteiligung der ortsansässigen Gärtnereien und dem Engagement der Bürger wurde der "Brühl" erweitert. Es kam der Blumengarten hinzu und es wurden auch viele seltene Gehölze neu angepflanzt. Eine "Geschlitztblättrige Linde", ein "Tulpenbaum" und eine "Pyramiden-Eiche" sowie eine "Platane" sind heute noch davon übrig geblieben.

im "Blumengarten"
Der berühmte Gartenkünstler, "Eduard Petzold", aus Muskau wurde 1866 als Berater zur weiteren Gestaltung des Parks heran gezogen. Darauf hin entstanden der große Wiesen-
raum am südlichen Ende der Klosterallee und das Lindenrondell am Eingang von der Brühlstrasse. Er empfahl auch noch weitere Anpflanzungen von besonderen Gehölzen, wie zum Beispiel Weiß-Eichen und Rote Roßkastanien.
Im "Brühl" wird auch zweier berühmter Persönlichkeiten der Stadt Quedlinburg gedacht. Im linken Bild sehen Sie das Denkmal für "Friedrich Gottlieb Klopstock" und im rechten Bild das Denkmal für "Carl Ritter".
Der "Brühl" ist nur wenige Schritte vom geschäf-
tigen Treiben der Stadt entfernt, doch hier findet jeder seine Ruhe und Entspannung. Sei es auf einer Bank unter den Bäumen an der "Sängersicht" oder auf einer Decke auf einer der Wiesen. Selbst wenn Kinder auf dem neu angelegten Spielplatz toben stört das nicht- der dichte Bewuchs des Parks filtert auch diesen "Lärm".
An der "Bode" gelegen ist der Waldteil des "Brühl" ein Auwaldrest mit einer interes-
santen Flora und Fauna. Der Buchenanteil ist recht hoch und der Boden ist weitläufig mit Bärlauch bedeckt. Außer Bärlauch blühen im Frühjahr unter anderem noch der Gefleckte Aronstab, die Busch- und Gelben Windröschen und auch Gefleckte Taubnesseln. Im Sommer, wenn das Blätterdach der Bäume kaum noch Licht durch lässt, überwiegen die Gräser. Den "Nagelfleck", ein Schmetterling der Familie der Pfauenspinner, kann man auch beobachten.
Der Park ist auch der Lebensraum des Schwarzspechts, des Waldkauzes und der Abend-
segler.
Genau so wie der "Brühl" für uns als Ort der Erholung erhaltenswert ist so muss er auch wegen seiner vielfältigen und seltenen Pflanzen- und Tierarten geschützt und erhalten werden.
Ein Denkmal zu einem großen Schadensfall, den die Stadt Quedlinburg und natürlich auch den "Brühl" getroffen hat, steht am Anfang des Parks in der Brühlstrasse. Die Stele erinnert an das verheerende Bodehochwasser am 30. Dezember 1925.
Über die Brühlstrasse in den "Abteigarten"

Der "Abteigarten" in Quedlinburg

Ab dem 15. Jahrhundert gab es südlich des Schloss-
bergs einen Baumgarten. Äbtissin "Anna Sophia I. ließ im 17. Jahrhundert für den Gärtner neue Gebäude für Wohn- und Wirtschaftszwecke errichten und auch den Garten verschönern. Die Achse des Gartens war auf die Räume der Äbtissin im Schloss ausgerichtet. In dieser Achse vor, um und hinter dem Wasserbecken lagen acht Beete. Um diesen Bereich gab es Baumquartiere die mit Hainbuchenhecke umgeben waren. In alten Aufzeich-
nungen werden auch geschnittene Tannenpyramiden und kugelig Buchsbäume beschrieben. Ferner hatte der Garten auch einen teil für Gemüse, Kräuter und auch Obstbäume. Im Westen gab es einen im Süden zwei große längliche Teiche zum Einen als Wasservorrat und zum Anderen für die Fischzucht. Außerdem gab es quer zur Achse, rechts und links des Wasserbeckens noch jeweils zwei längliche Teiche.
Bis zur späteren wirtschaftliche Nutzung blieb dieser Garten so erhalten.

so etwa waren die Teiche
im Park verteilt
Im Rahmen des Projektes "Gartenträume Sachen-Anhalt" wurde auch der "Abteigarten" in das öffentliche Interesse gerückt und wieder zugänglich gemacht. In Vorbereitung der Neugestaltung wurden auch Grabungen durchgeführt, die zum Beispiel erkennen ließen, dass das "Original" einen guten halben Meter unter dem jetzigen Niveau liegt, durch die intensiven landwirtschaftlichen Nutzung keine Reste des barocken Lustgartens erhalten sind- außer des Fundaments des großen Wasserbeckens. Das neue Becken befindet sich an gleicher Stelle, nur höher.

das neue Wasserbecken
Bei der jetzigen Gestaltung lehnte man das Wegenetz an die historische Struktur an und die Bepflanzung der Beete soll an die lange Zeit der Nutzung als Saatzuchtgarten erin-
nern. Hergestellt wurde auch wieder der südliche Ausgang, der eine direkte Verbindung zum "Brühl" gestattet.
Nach Auflösung des Stifts pachtete die Gärtnerfamilie Rögner das Gelände. 1827 kaufte Samuel Lorenz Ziemann den Garten. Ziemann gründete die Saatzuchtfirma "Carl Sperling & Co. .Diese Firma ist heute das älteste deutsche Familienunternehmen der Gemüse-
branche. Der Garten war somit Betriebsgelände und der Durchgang zum "Brühl" nicht mehr nötig, er wurde geschlossen. Die Gartenteiche wurden, bis auf das große Wasser-
becken, zu geschüttet und einige Wege blieben erhalten.
Eine der bedeutenden Gärtnerfamilien von Quedlinburg, die Familie Dippe, erwarb Mitte des 19. Jahrhunderts den Garten. Es entstanden die Wahrzeichen des Gartens, die großen überdachten Holzstellagen die ein gutes bestäuben der Zuchtpflanzen von Hand ermöglichten. Die "Gebrüder Dippa AG" gehörte zu den innovativen Spitzenunterneh-
men des internationalen Saatzuchtanbaus. Nach dem II. Weltkrieg wurde die Firma ent-
eignet und der "Abteigarten" kam zur neu gegründeten "Deutschen Saatzucht Gesell-
schaft". Ab dem Jahr 1972 erfolgte der Versuchsanbau unter der Leitung des "Institut für Züchtungsforschung" der "Akademie der Landwirtschaftswissenschaften" der "DDR".
Nach der Wende nahm die "Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen" in Quedlinburg ihren Sitz. Der "Abteigarten" gehört ab 2000 der Stadt Quedlinburg, die ihn an Erwerbsgartenbaubetriebe verpachtet. Der "neue Abteigarten" liegt in der Mitte des alten Geländes und recht und links, durch Hinweistafel gekennzeichnet, befindet sich das Pachtgelände.

Panorama des "Abteigarten" mit dem wieder hergestellte Zugang zum (vom) "Brühl"